Von mp3 zu MiniDisc

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Angesichts des immer noch beschädigten iPods wird es Zeit für einen Formatwechsel. Zwar habe ich mithilfe des von Sebastian dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Satzes Schraubenzieher und Handwerkszeug das Gerät öffnen können, eine Reparatur des Gerätes erübrigt sich jedoch nach wie vor aus Ermangelung eines Lötkolbens und benötigten Lötzinns.

Überhaupt erweist sich nun der Kauf des iPods als Lektion fürs Leben, die Lektion nämlich, dass man durchaus nicht immer gut beraten ist, jeden Trend mitzumachen. Gegenüber älterer Hardware hat sich der iPod (und wahrscheinlich auch sämtliche seiner Plastik-Konsorten) als unzuverlässig herausgestellt. Dabei wähnte ich in dem Gerät eine dauerhafte Anschaffung, eine lohnende Investition. Jedoch sollte ich augenscheinlich eines besseren belehrt werden, denn streng genommen hat das Gerät nicht einmal seinen vierten Geburtstag erlebt, und das zu einem stolzen Neupreis von immerhin EUR 250,-.

Da nun der Schaden mindestens auch in den folgenden drei Monaten (der verbleibenden Zeit meines Auslandsaufenthalts) nicht zu reparieren sein wird, und die Anschaffung eines Lötkolbens eigens zur Reparatur des Gerätes in keinem Verhältnis zum damit verbundenen Aufwand steht, stellt sich die Frage: was tun?

Die Neuanschaffung eines Nachfolgemodells aus der Gemüsebude von Apple kommt für mich keinesfalls mehr in Betracht: zwar wäre die kleinste verfügbare Kapazität des aktuellen iPod nano mit 8 GByte doppelt so hoch wie jene meines ursprünglichen Gerätes, jedoch schlägt auch das wieder mit mindestens EUR 130,- zu buche; eine Investition, die ich angesichts der Zerbrechlichkeit des vorhandenen Teils nicht gerechtfertigt sehe. Mein portabler MiniDisc-Player aus dem Jahr 1998 war da von ganz anderer Qualität.

MiniDisc? Ja genau! Wer kennt sie noch, die niedliche, kleine MiniDisc (MD) aus dem Hause Sony? Das Speicherformat für Musikdaten wurde vor Äonen im Jahr 1991 vorgestellt und erreichte im darauffolgenden Jahr Marktreife. Die MiniDisc ist ein 2,5 Zoll großer, magneto-optischer Datenträger, der ähnlich wie eine Kassette zu handhaben ist und aussieht wie eine Miniatur der guten alten Compact Disc in einer Cartridge; damit erinnert sie wiederum an die gute, alte 3 ½ Zoll-Diskette. Im Gegensatz zur Audiokassette jedoch werden auf der MD genau wie auf der CD die Daten digital gespeichert, weswegen sie marktpolitisch auch als Nachfolger des für den Heimbereich zu teuren Digital Audio Tapes (DAT) positioniert wurde. Ein grundsätzlicher Vorteil der MiniDisc war (zu damaligen Zeiten) die im Vergleich zur Compact Disc deutlich reduzierte Größe, welche sie zum tragbaren Musikmedium prädestinierte. Auf Datenseite verfügt die MD über eine nominelle Kapazität von 166 – 177 MByte, je nach Spieldauer, welche ähnlich wie bei der standardkonformen CD zwischen 74 und 80 Minuten variiert. Zu Anfang gab es noch Medien mit 60 Minuten Spieldauer; diese werden aber, genau wie das CD-Pendant, nicht mehr hergestellt. Der Kompromiss zwischen Laufzeit und Datenmenge wird dabei – ähnlich wie bei mp3 – über (verlustbehaftete) Datenkompression erreicht; der proprietäre ATRAC-Codec von Sony kodiert das Tonsignal dabei mit einer konstanten Bitrate von 292 kBit/s.

Wie bei einem Tape wird die Musik in Echtzeit während der Wiedergabe des Quellmediums auf die MD überspielt. Dabei erhitzt der Laser des MD-Recorders die betreffenden Datenbereiche der MD kurzzeitig auf eine Temperatur von ca. 400 Grad Celsius, um so die benötigte Magnetisierung des Mediums zu gewährleisten. Inzwischen ist das Konzept der MiniDisc in der Form überholt, als es mittlerweile (seit ca. 2005) einen Nachfolge-Standard gibt: die HiMD, welche mit einer Kapazität von 1 GByte bis zu 45 Stunden (!!) Klangmaterial auf einer einzigen Disc speichern kann. Gegenüber dem ursprünglichen ATRAC-Standard erlaubt die HiMD  größere Flexibilität hinsichtlich der verwendeten Bitrate und ist zudem voll mp3-fähig.

Warum aber nun auf eine vermeintlich derart veraltete Technik setzen? Das ist schnell erzählt. Zum einen bietet mein portabler MiniDisc-Player, ein Kenwood DMC J7R (der auch MDs aufzeichnen kann), mit seinem komplett aus Metall gearbeiteten Gehäuse eine vollkommen andere Wertigkeit als der in Hartplastik gegossene iPod mit seiner Kratzer- und Fingerabdruck-anfälligen Rückwand. Zwar gewinnt der iPod den Wettbewerb um Handlichkeit mit seiner kleinen Größe um Längen, er verliert jedoch ganz wesentlich im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit und Praktikabilität: anders als der iPod mit seinem fest verbauten Akku bietet der MD-Player die Möglichkeit, den Akku bei Erschöpfung zu wechseln (sofern ein zweiter Akku vorhanden ist), bei einem entladenen iPod-Akku ist unterwegs auf jeden Fall erst einmal Schicht im Schacht.

Die notwendige Handhabung einzelner Medien und die Übertragung des Tonmaterials in Echtzeit (außer bei HiMD) mag der eine als Nachteil der MD-Technik ansehen; für die Fangemeinde der MiniDisc bietet sich gerade hier evtl. ein Vorteil, da es doch etwas sehr nostalgisches hat, das jeweilige Medium in der Hand zu halten. Man merkt dann doch, dass Musik so viel mehr ist als gigabyteweise aus dem Netz gezogene und oftmals völlig ungeordnet irgendwo auf der Festplatte abgelegten mp3-Dateien. Ein weiterer Pluspunkt der MD soll im Übrigen die Klangqualität des ATRAC-Codecs sein. Auf Formatkriege und religiös-fanatisch beschworene Diskussionen zum Thema lossy vs. lossless-Audiokodierung werde ich hier nicht weiter eingehen; solche Themen sind – wie einige andere spezifische Diskussionen zum Thema Computer auch – einerseits zu subjektiv als auch zu leidenschaftlich geführt, als dass ich hier Stellung beziehen wollte. Welches Audioformat – Vinylplatte, CD, MD, AAC, mp3, ogg-Vorbis oder flac – nun das beste sei, ist genauso wenig rational zu beantworten wie die Frage, ob man lieber Vanille oder Schoko, blau oder rot, lieber blonde oder brünette Frauen mag.

Es gibt für mich einfach keinen Grund mehr, jemals wieder irgendeinen iPod oder sonstige portable mp3-Hardware zu kaufen, so lange mein MD-Player noch existiert. Dieses Gerät hat sich über die Jahre hinweg als zuverlässig erwiesen, was ich eben vom iPod nicht gerade behaupten kann. Außerdem sind noch jede Menge beschreibbarer MD-Medien vorhanden; ich verstehe erst jetzt, wie gut ich daran getan habe, diese niemals zu entsorgen. Allein es gibt zwei relative Kritikpunkte: nach ebenfalls vier Jahren sind am MD-Player Akku und Ladekabel über den Jordan gegangen: der Akku entlädt auffallend schnell und das Ladekabel hat (wahrscheinlich aufgrund meiner aktiven Mithilfe) einen massiven Kabelbruch. Wäre dem nicht so, hätte ich womöglich überhaupt nie einen iPod angeschafft. Beide Teile sind jedoch dank des Internets (und der fortgeschrittenen Zeit, wahrscheinlich) für insgesamt ziemlich glatt EUR 25,- zu ersetzen und bereits bestellt; außerdem halte ich inzwischen auch nach einem MD-Deck für meine Stereo-Anlage daheim Ausschau. Ich denke dabei an das Modell Kenwood MD 3090, welches die perfekte Ehe mit meinem DP 3080-CD-Player eingehen könnte…

Wie wunderbar, die Freude am Musikgenuss wiederzuentdecken. Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen. Für alles Andere gibt es Retro-Style.