Lesen bildet. Und in manchen Fällen weckt es gar Interesse an Dingen, mit denen man sich bisher gar nicht auseinandergesetzt hatte. So konzentriert sich in jüngster Zeit bei der Lektüre von Büchern mein Augenmerk stärker als zuvor auf die Gestaltung des Textes. Die Gestaltung von Schrift ist der Gegenstand der Typographie. Anders als man es erwarten sollte, kommt der Typographie eine besondere Bedeutung nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten hinzu, auch die Lesbarkeit eines Textes überhaupt hängt in höchstem Maße von der verwendeten Schrift und der Anordnung von Überschriften, Kapiteln und Abschitten ab. Jeder Leser wird im Laufe seiner Leseerfahrung eine Vorliebe für bestimmte Schriftschnitte entwickeln, wenn auch unbewußt. Mir persönlich ist die mit Microsoft Word ausgelieferte Schrift Times New Roman ein Gräuel. Ich kann mir kaum eine allgegenwärtigere und doch unästhetischere Schrift vorstellen. Besonders bei der Lektüre von Jennifer Niedersts Web Design In A Nutshell ist mir die Schönheit des Schriftbildes aufgefallen. Augenscheinlich handelt es sich bei der Schrift um eine Garamond-Variante und wider Erwarten war im Buch die verwendete Schriftart angegeben: Es handelt sich um die Schrift ITC Garamond, die durch Linotype vertrieben wird.
Eine Google-Suche lieferte ein interessantes Resultat: Eine ganz witziges Pamphlet gegen die Schriftenfamilie ITC Garamond, veröffentlicht von einem US-Designer. Von mir aus könnte ich dem eine Antwort auf diesen Artikel gegen Times New Roman und für ITC Garamond schreiben. Stattdessen jedoch widme ich diesen Artikel lieber der typographischen und schriftsetzerischen Kunst an sich. Einige Mühe hat es mich gekostet, die von Addison-Wesley verwendeten Schriftarten herauszufinden: hier schuf aber der Font Identifier von Linotype Abhilfe.
Die Beschäftigung mit Typographie und Schriftsatz kann für jedermann von praktischem Nutzen sein, etwa wenn es darum geht, eine schriftliche Arbeit zu verfassen. Für den Schriftsatz am PC existiert eine renommierte Open Source-Lösung aus der Unix-Welt, die heute bei allen großen Verlagen und im Wissenschaftsbetrieb Einsatz findet: LaTeX.
LaTeX bietet eine umfassende Lösung für schriftsetzerische Tätigkeiten aller Art mithilfe des Computers. Gegenüber der Verwendung einer Textverarbeitung bietet der reine Schriftsatz den Vorteil, dass Textinhalt und Layout strikt getrennt werden, d.h. LaTeX ist nicht ein Werkzeug zur Erstellung eines Textes sondern ist rein auf den Satz, d.h. die Ausgestaltung der Schrift. Zu beachten ist allerdings, dass die Einarbeitung in die Syntax von LaTeX eine gewisse Hürde darstellt, da es sich im Grunde um die Programmierung eines Textlayouts handelt, deren Komplexität die Schwierigkeit von CSS-Problemen durchaus übersteigt. Dennoch plane ich definitiv, mich, sofern ich genügend freie Zeit zur Verfügung habe, mich in die Materie einzuarbeiten, um zukünftig in Studium und Beruf mit perfekt gesetzten und druckfertigen Dokumenten aufwarten zu können.
Literatur:
Aicher, Otl:
typographie. Schmidt 2005
Berndt, Tobias:
LaTeX. Der typographische Einstieg. Addison-Wesley 2004
Forssman, Friedrich & Ralf de Jong:
Detailtypographie. Schmidt 2004
Forssman, Friedrich:
Lesetypographie. Schmidt 2005
Runk, Claudia:
Grundkurs Typographie und Layout. Für Ausbildung und Praxis. Galileo Press 2008
Schlosser, Joachim:
Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX: Leitfaden für Einsteiger. mitp 2008
Tschichold, Jan:
Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie: Eine Fibel für jedermann. Maro 2001
Willberg, Hans Peter, Friedrich Forssman:
Erste Hilfe in Typografie: Ratgeber für Gestaltung und Umgang mit Schrift. Schmidt 1999