Lieferung
Eigentlich hatte ich für den großen Moment, da ich das Paket öffnen würde eine Fotodokumentation geplant, die leider mangels Kamera entfallen mußte (deshalb, und weil ich mit meiner Begeisterung, die ich offenbar nur schwer verbergen konnte, nicht noch mehr Amusement bei meinen Eltern auslösen wollte). Das Öffnen des Pakets glich denn einem Ritual: mit einem Messer die Paketbänder in aller Vorsicht geöffnet und zum Vorschein kam eine Abdeckung aus Pappe, auf der mich das Logo von Dell begrüßte. Zunächst wurde der Lieferumfang geprüft: Das Gerät in einer Fleece-ähnlichen Tüte, das Netzteil, das insgesamt mehr einem Ladekabel für ein Mobiltelefon denn einem Netzteil für ein Notebook gleicht in einer Plastiktüte, CD-ROMs und Handbuch in Folie eingeschweißt. Alles da. Insgesamt kommt das Gerät in einer vorbildlich umweltfreundlichen Verpackung daher: Der Gebrauch von Plastik und Folie wurde auf ein Minimum reduziert, und auch das Handbuch und Hinweise zu Umweltaspekten kommen auf Umweltpapier gedruckt daher. Hier verdient sich der Hersteller ein großes Lob.
Initialstart und erste Eindrücke
Das Mini 9 kommt mit eingelegtem Akku daher und ist sofort einsatzbereit. Beim Auspacken hinterläßt die hochwertige Verarbeitung des Geräts erste positive Eindrücke. Die hochglänzende, in Klavierlack-Optik gehaltene schwarze Oberfläche des Gehäuses mit dem chromschimmernden Dell-Logo sowie die abgerundeten Gehäusekanten vermitteln den Eindruck kompromissloser Solidität. Das Öffnen der Klappe offenbart eine aufgeräumte Tastaur, einen ebenfalls chromschimmernden Ein-Aus-Schalter und der Anblick des Intel-Atom-Stickers rechts neben dem solide wirkenden Touchpad mit zwei getrennten Maustasten fasziniert. Beim Start des Systems fällt positiv auf, dass die Power-LED links des Touchpads nicht in langweiligem grün, sondern in gediegenem Weiss leuchtet. Beim Start wird der Benutzer zunächst durch ein Dell-Logo mit der Unterschrift „Inspiron“ begrüßt, das einen Moment lang Zugang ins System-BIOS bietet. Es fällt auf, dass das System bedingt durch die lüfterlose Architektur und die bewegungslose Festplatte tatsächlich absolut geräuschlos arbeitet: nicht der geringste Laut ist zu hören. Und trotz des rein passiv gekühlten Prozessors entwickelt das Gerät, wie sich später im Test herausstellen wird, keine bemerkenswert hohe Temperatur. Die Ersteinrichtung des Systems nimmt einige Zeit in Anspruch; es vergehen ca. 5 Minuten, ehe sich das Windows-Logo mit dem Hinweis „Bitte warten...“ verabschiedet und man letztlich aufgefordert wird, den Namen der Benutzer, den Namen des Inhabers der Windows-Lizenz und den Computernamen einzugeben.
Einen positiven Eindruck vermittelt das Display des Gerätes: Alles wird gestochen scharf dargestellt und die native Auflösung von 1024x600 sorgt für echte 16:9-Darstellung ohne Streckung des Bildes. Das Glare-Type-Display bietet höchste Bildschärfe, klare Farben und hohen Kontrast. Im Auslieferungszustand arbeitet das Display mit der höchstmöglichen Helligkeit. Verständlich, denn sicher will man bei Dell zeigen, was das Gerät so alles drauf hat. Die Anzeige leuchtet derart hell, dass es fast blendet. Zu den Anp0assunge an die individuellen Bedürfnisse gehört denn sicher auch, die Helligkeit (auch im Interesse der Akkulaufzeit) ein wenig zu reduzieren. Zu Beginn mutet das 8.9-Zoll-Display in der Tat beängstigend klein an, aber nach 4 Tagen Umgang mit dem Gerät sind derartige Eindrücke bereits Geschichte. Für die bequeme Arbeit mit Office und das Lesen von PDF-Dateien empfiehlt es sich übrigens, den Zoomfaktor auf Seitenbreite festzulegen, da sonst die Schrift doch ein wenig klein geraten ist, wenn man längere Passagen lesen oder schreiben möchte.
Ähnlich wie das Display verlangt auch die Bedienung der Tastatur eine Phase der Eingewöhnung, wobei die einzelnen Tasten längst nicht so beängstigend klein sind wie es die meisten Testberichte glauben machen wollen. Die Tastatur ist aufgeräumt, zwischen den einzelnen Tasten ist je ein Abstand von ca. 1 mm; die Tasten liegen sauber auf Stoß und in gleichmäßiger Höhe im Tastatureinlass. Die Tasten links und rechts in der untersten Reihe (STRG & Pfeil Rechts) sind an den Ecken abgerundet und sorgen so für ein harmonisches Design. Die Beschriftung der Tasten in weiß ist ausreichend groß. Allerdings weicht das Layout der Tastatur doch vom gewohnten Standard ab, da u.a. aus Platzgründen die Funktionstasten auf die Buchstabenreihe A bis Ö gelegt wurden und nur über Druck auf die Fn-Taste aufgerufen werden können; die Gewöhnung vollzieht sich jedoch recht schnell, einzig etwas gewöhnungsbedürftig ist die Position der Entf-Taste im rechten Drittel der Tastatur in der unteren Reihe neben der Pfeil Rechts-Taste. Einen Roman wird man mit dieser Tastatur womöglich nicht schreiben wollen, jedoch entschädigt die hohe Qualität der Tastatur und der angenehme Druckpunkt jeder einzelnen Taste für die Phase der Umgewöhnung.
Für die Konnektivität des Mini 9 sorgen ein intern verbautes WLAN-Modul und Bluetooth. Die Performance des WLAN-Moduls ist überragend: in meinen Räumlichkeiten unter dem Dach des Hauses erlebe ich trotz des angeblich schwachen Eingangssignals wahres Hochgeschwindigkeits-Internet. Die Startseite des Mozilla Firefox baut sich im Nu auf und auch alle anderen zu Testzwecken angezeigten Seiten werden ohne Wartezeit angezeigt. So wird das Navigieren im Internet zur wahren Freude. Ich denke, dass sich hier schon der Fortschritt zeigt, den die Technik im Laufe der letzten Jahre gemacht hat. Auch das Bluetooth-Modul erkennt alle verfügbaren Geräte in Reichweite (ebenso wie die WLAN-Karte auch durch Häuserwände hindurch). Das wurde jedoch nur kurz angetestet, denn Bluetooth ist ein wahrer Stromfresser und letztlich nicht eine der Funktionalitäten, die ich an einem Computer oder Telefon unbedingt brauche. Der Vorteil des installierten Treibers: im Systray lassen sich verschiedene Optionen auswählen, mit denen die Konnektivität im Bedarfsfall angepasst werden kann. Im Standard sind WLAN und Bluetooth aktiviert; mögliche Optionen für Konnektivität sind Bluetooth und WLAN aktiv, nur Bluetooth aktiv, nur WLAN aktiv, Bluetooth und WLAN inaktiv.
Geschwindigkeit und Software
Die im Lieferumfang installierte Software ist ingesamt von guter Qualität, positiv fallen v.a. die installierten Treiber auf, die für jede Komponente des Systems eine bequeme Konfiguration erlauben. Der Deinstallation sind von den vorinstallierten Paketen lediglich MS Works (dessen Textverarbeitung sich augenscheinlich kaum vom Windows XP-eigenen WordPad unterscheidet) und die Google-Desktop-Suche zum Opfer gefallen. Vorbildlich ist die Auslieferung des Systems mit vorinstalliertem Adobe Reader 8 für die Anzeige von PDF-Dateien und dem MS PowerPoint Viewer 2007. Die Installaion aller benötigter Programme geht auf dem System schnell vonstatten, lediglich größere Pakete wie der Macromedia Dreamwaever MX 2004 oder der per Windows-Update installierte Internet Explorer 7 benötigen einige Minuten für das Setup. Die Performance des Gerätes fällt gerade beim Starten von Programmen auf: so startet der Windows Media Player 11 inklusive das Plugin für last.fm binnen Sekundenbruchteilen. Eine wahre Freude!
Hardware und Erweiterbarkeit
Die Erweiterung des Systems durch externe Hardware verläuft ohne Probleme. So arbeitet mein Mini-System sehr erfolgreich mit meinem externen Samsung-DVD-Brenner und der Western Digital-Festplatte zusammen. Eine weitere positive Überraschung zeigte sich, als ich mir per Taskmanager die Systemleistung anzeigen ließ: der im Netbook verbaute Intel Atom mit seiner Taktfrequenz von 1.6 GHz kommt als Doppelkern-Prozessor daher; sicherlich eine Erklärung für die hohe Geschwindigkeit des Systems und den moderaten Preisanstieg, der sich aber angesichts der gebotenen Leistung unbedingt rechtfertigt, denn letztlich handelt es sich noch immer um ein über Gebühr preisgünstiges System.
Das Besondere am Mini 9 ist, dass sich interne Systemkomponenten wie Festplatte, Speicher und Konnektivitätsmodule ohne Aufwand tauschen lassen: lediglich 2 Schrauben an der Unterseite des Gehäuses sind zu lösen und schon erhält man Zugang zu den wichtigsten Komponenten des Systems. Angesichts von Preisen um EUR 30 empfiehlt sich sicher ein Ausbau des Arbeitsspeichers auf 2 GB, welcher problemlos möglich ist; tatsächlich besteht keine physikalische Begrenzung des maximal zulässigen Arbeitsspeichers auf 1 GB, diese wird lediglich aus marktpolitischen Gründen angegeben, um das Gerät mit Windows XP aufliefern zu können. Änderungen an der internen Systemhardware verletzen die Garantie seitens Dell übrigens nicht, solange man bei dem Einbau die Hardware nicht beschädigt.
Fazit
Mit dem Mini 9 bietet Dell ein perfektes System zum fairen Preis. Dem Hersteller ist wahrlich ein großer Wurf gelungen und man darf annehmen, dass die Mini-Serie derzeit die qualitativ hochwertigsten Geräte im Segment der Ultra Mobile PCs bietet. Aufgaben des täglichen Lebens wie das Navigieren im Internet, Lesen und Senden von eMail sowie das Erstellen und Lesen von Texten lassen sich mit dem Dell Mini 9 effizient und mit viel Freude bei der Arbeit ausführen. Angesichts der überragenden Leistung eignet sich das System in Verbindug mit einem externen Bildschirm, Tastatur und Maus als vollwertiger Desktop-Ersatz für jeden, der auf aufwändige Leistungen für 3D-Grafik und Spiele verzichten kann.
Übrigens wurde diese umfangreiche zweiteilige Review komplett mit dem Dell Inspiron Mini 9 geschrieben. Sie stellt also meinen ersten Beitrag im Blog dar, den ich mit meinem neuen System verfasst habe. Ich hoffe, sie gefällt Euch. Im übrigen bin ich der Meinung, dass meine Schreibgeschwindigkeit im Blindschreiben auf der Mini-Tastatur sich bereits merklich erhöht hat, wenn auch die Fehlerfrequenz derzeit noch etwas hoch ist.
Links zum Dell Inspiron Mini 9
Update:
Inzwischen ist das Dell Mini 9 in insgesamt 4 Konfigurationen mit Windows XP und einem angepaßten Ubuntu Linux in verschiedenen Farben verfügbar. Es ist anzumerken, dass das Gerät nach wie vor ohne Tasche ausgeliefert wird. Eine Entkopplung der verschiedenen Hardware-Konfigurationen vom gewählten Betriebssystem und die Ausliefrung des Geräts mit Tasche wären hier wünschenswert. Für den sicheren Transport des Geräts habe ich eine Hardtop-Tasche des Herstellers Cool Bananas gewählt, welche das Gerät zuverlässig vor äußeren Einflüssen aller Art schützt und eine sichere und platzsparende Aufbewahrung bei Nichtgebrauch erlaubt. Diese Anmerkung gibt lediglich meine Gedanken zur Produktpolitik von Dell wieder und versteht sich nicht als Kritik am Gerät; das Mini 9 ist und bleibt ein in allen Belangen perfektes System.